Die Retourenquote ist der Anteil zurückgesendeter Ware an der versendeten. Rechne sie je Artikel, nicht je Paket: retournierte Artikel geteilt durch versendete Artikel, mal hundert. Senken lässt sie sich an zwei Stellen, vor dem Kauf über Größen und Fotos und nach dem Kauf über das, was im Lager mit dem Rücklauf passiert.
Du hast eine Zahl im Kopf, und sie gefällt dir nicht. Bevor du anfängst, sie zu drücken, eine unbequeme Frage: Welche Zahl genau?
Es gibt nämlich zwei. Beide heißen Retourenquote, beide sind richtig, und sie können weit auseinanderliegen. Welche du meinst, entscheidet, woran du danach arbeitest.
Der Text hat deshalb zwei Teile. Der erste senkt die Menge. Der zweite senkt, was die verbleibende Menge kostet. Der zweite findet im Lager statt. Wir sehen ihn jeden Tag von der anderen Seite, und was dort im Einzelnen abläuft, steht unter was im Lager mit dem Rücklauf passiert.
Wie berechnest du die Retourenquote?
Zwei Formeln, und sie liefern verschiedene Zahlen.
- Artikelquote: retournierte Artikel geteilt durch versendete Artikel, mal hundert.
- Paketquote: retournierte Sendungen geteilt durch versendete Sendungen, mal hundert.
Ein Beispiel. In einem Monat gehen 700 Pakete raus, darin 1.400 Artikel, weil viele Kundinnen zwei Größen bestellen. Zurück kommen 200 Pakete mit 560 Artikeln. Die Paketquote liegt bei 28,6%. Die Artikelquote liegt bei 40,0%. Dieselbe Marke, derselbe Monat, gut elf Prozentpunkte Unterschied.
Beide Zahlen stimmen. Sie messen nur Verschiedenes. Die Paketquote zeigt, wie oft dein Versand rückwärts läuft. Die Artikelquote zeigt, wie viel Ware jemand ein zweites Mal anfasst. Für die Kostenrechnung zählt die zweite, denn im Lager nimmt jemand den Artikel in die Hand, nicht das Paket.
Rechne beide, einmal im Monat, und schreib dazu, welche du meinst. Der Zeitraum gehört ebenfalls dazu: Eine Retoure aus dem Dezember kommt oft erst im Januar an. Wer den Monat hart abschneidet, misst im Dezember zu niedrig und im Januar zu hoch.
Warum fremde Quoten selten taugen
Wenn du deine Zahl gegen eine veröffentlichte hältst, frag zuerst, welche der beiden Formeln dahintersteckt. Meistens steht es nicht dabei. Dazu kommt die Frage, ob Umtausch mitgezählt wurde, ob stornierte Bestellungen drin sind und über welchen Zeitraum gerechnet wurde.
Deshalb findest du hier keine Branchentabelle. Wir hätten eine bauen können, sie hätte Besucher gebracht, und sie hätte dir nichts genützt. Eine Durchschnittsquote ohne Definition ist kein Vergleichswert, sondern eine Zahl mit Nachkommastelle. Deine eigene Reihe über zwölf Monate sagt dir mehr als jede fremde Quote, weil sie dieselbe Formel benutzt und dieselbe Ware misst.
Stellschraube 1: die Menge senken, bevor bestellt wird
Fast alles, was hier hilft, steht im Shop und nicht im Lager. Nichts davon braucht ein Werkzeug. Alles davon braucht Arbeit.
- Maße am Artikel, nicht in einem PDF. Gemessen am fertigen Teil, in Zentimetern, je Größe. Eine Tabelle, die erst heruntergeladen werden muss, liest niemand vor dem Bestellen.
- Fotos am Menschen, mit Körpergröße und getragener Größe. Das kostet ein Maßband und funktioniert seit dem ersten Versandkatalog.
- Schnitt und Material beschreiben. Fällt klein, fällt groß, dehnt sich, läuft ein. Wer das hinschreibt, verliert ein paar Bestellungen und gewinnt sie nicht zurück. Genau das ist der Punkt.
- Rückgabegründe abfragen und lesen. Nicht als Pflichtfeld mit fünf Auswahlmöglichkeiten, sondern so, dass ein Mensch die Antworten einmal im Monat durchgeht.
- Die Ausreißer einzeln ansehen. Sortier deine Artikel einmal nach Retouren, absteigend. Die Liste ist oben meistens kurz, und oft steht dort ein falsches Maß in der Tabelle.
Eine Frage noch, bevor der zweite Teil anfängt. Wie viele deiner Retouren kommen mit dem Grund „falscher Artikel“ zurück? Wer das nicht weiß, arbeitet an Stellschraube 1, während das Problem in Stellschraube 2 sitzt.
Die Grenze, die niemand gern hinschreibt
Ein Teil der Quote lässt sich nicht senken. Wer zwei Größen bestellt, um eine zu behalten, hat nichts falsch gemacht und niemanden getäuscht. Das gehört bei Kleidung zum Geschäftsmodell, und es steckt im Preis, den deine Kundin ohnehin zahlt.
Wer diesen Teil trotzdem wegdrücken will, landet schnell bei Mitteln, die teurer sind als die Retoure: Rückversand bepreisen, Rückgabefristen verkürzen, Kunden mit hoher Quote aussperren. Das senkt die Quote. Rechne nach, was es mit dem Umsatz macht, bevor du dich darüber freust.
Stellschraube 2: den Schaden senken, nachdem zurückgeschickt wurde
Jetzt der Teil, der nicht im Shop stattfindet. Zwischen dem Wareneingang und der Wiedereinbuchung liegt die Strecke, auf der eine Retoure teuer wird.
Eine zurückgeschickte Ware ist an dem Tag, an dem sie ankommt, noch kein Bestand. Sie ist es erst, wenn jemand sie angesehen, bewertet und eingebucht hat. Bis dahin steht dein Shop auf „nicht verfügbar“, obwohl das Teil im Haus liegt. Bei einem Artikel ist das eine Anekdote. Bei einer Kollektion ist es eine Bestellung, die du nicht hättest auslösen müssen.
Jetzt wäre der Moment, misstrauisch zu werden. Ein Lager schreibt, dass es auf das Lager ankommt. Natürlich tut es das. Deshalb steht oben eine Rechnung und keine Beteuerung, und deshalb steht in Stellschraube 1 der Teil, der uns nichts einbringt.
Frag dein Lager das hier:
- Wird jedes Teil einzeln angesehen? Oder wird eine Rücksendung als Vorgang abgehakt und der Inhalt geschätzt? Der Unterschied zeigt sich nicht am ersten Paket, sondern als Häufung von Reklamationen drei Monate später.
- Gibt es einen Zustand je Artikel? Einwandfrei, mit Nacharbeit wieder verkäuflich, Klärfall. Ohne diese drei Gruppen wandert Ware entweder zu früh in den Bestand oder zu schnell in die Entsorgung.
- Wer entscheidet über die Nacharbeit? Dämpfen, neu etikettieren, neu verpacken: Das lohnt sich bei einem teuren Teil und selten bei einem günstigen. Die Rechnung gehört dir, nicht dem Lager.
Was die Wiedereinbuchung verzögert, ist dabei fast nie die Halle. Es entsteht vorher und bei dir: ein fehlender Retourenschein, ein Artikel ohne eigenes Label, eine gemischte Rücksendung ohne Zuordnung. Alles drei kostet dich einmal eine Entscheidung und danach nichts mehr.
Reklamationsquote senken: nicht dasselbe wie die Retourenquote
Die beiden Zahlen landen oft in derselben Spalte, und dann wird am falschen Ende optimiert. Der Unterschied liegt darin, wer den Fehler gemacht hat.
- Retoure: passt nicht, gefällt nicht, anders vorgestellt. Die Entscheidung liegt bei deiner Kundin. Niemand hat etwas falsch gemacht.
- Reklamation: falscher Artikel, falsche Größe, beschädigt angekommen, unvollständig geliefert. Hier hat jemand etwas falsch gemacht, im Lager oder davor.
Eine Maßtabelle senkt die erste Zahl. An der zweiten ändert sie nichts. Die Reklamationsquote sinkt woanders: bei einer eigenen Artikelnummer je Variante, bei einer Kontrolle im Wareneingang statt beim Packen, und bei einem Menschen, der deine Ware kennt und stutzig wird, wenn zwei Schwarztöne nebeneinanderliegen.
Dafür gibt es eine Zahl, nach der du jeden Anbieter fragen kannst. Unsere lautet: höchstens eine fehlerhafte Sendung auf 10.000 Pakete, gemessen von 2023 bis 2025 über alle Partner. Frag nach, wie die Fehlerdefinition beim Gegenüber lautet und über welchen Zeitraum gemessen wurde. Eine Quote ohne Definition ist an dieser Stelle wertlos, egal wie gut sie aussieht.
Und führ die beiden Quoten getrennt. Eine Modemarke mit hoher Retourenquote und kaum Reklamationen hat ein gesundes Geschäft. Eine Marke mit niedriger Retourenquote, bei der die Hälfte davon Reklamationen sind, hat ein Problem, das im Lager sitzt und nicht auf der Produktseite.
Häufige Fragen zur Retourenquote
Was ist eine gute Retourenquote?
Eine Zahl dafür gibt es nicht, und wer eine nennt, sagt meistens nicht dazu, ob er Artikel oder Pakete gezählt hat. Zwei Shops derselben Kategorie können weit auseinanderliegen, zwei Kategorien erst recht. Brauchbar ist nur deine eigene Reihe: dieselbe Formel, derselbe Zeitraum, zwölf Monate nebeneinander.
Wie kann ich meine Retouren reduzieren?
Erst die Ausreißer finden, dann die Maße prüfen, dann die Rückgabegründe lesen. In der Reihenfolge, weil die ersten beiden Schritte billig sind und der dritte Zeit kostet. Was danach übrig bleibt, ist meistens der Teil, der zum Geschäftsmodell gehört, und der lässt sich besser billig abwickeln als weiter bekämpfen.
Was verzögert die Wiedereinbuchung?
Fast nie das Lager. Meistens etwas, das vorher passiert ist. Ein fehlender Retourenschein zwingt zur Suche über die Absenderadresse. Ein Artikel ohne eigenes Label lässt sich ohne Originalverpackung nicht eindeutig zuordnen. Und eine gemischte Rücksendung ohne Zuordnung wird zum Klärfall, weil raten hier die schlechtere Antwort wäre.
Senkt ein kostenpflichtiger Rückversand die Quote?
Ja. Er senkt auch die Zahl der Bestellungen, und welcher der beiden Effekte größer ausfällt, hängt an deinem Sortiment. Wer die Rücksendung bepreist, wählt damit aus, welche Kunden bleiben. Das ist eine Entscheidung über deine Kundschaft, nicht über eine Kennzahl.
Was ist der Unterschied zwischen Retourenquote und Reklamationsquote?
Die Retourenquote misst Entscheidungen deiner Kunden, die Reklamationsquote misst Fehler. Passt nicht und gefällt nicht sind Retouren. Falsch geliefert, beschädigt oder unvollständig sind Reklamationen. Wer beides in einer Zahl führt, sieht nicht, welche Hälfte gerade wächst.
Weiterführende Seiten
Wie Mode im Rücklauf behandelt wird, steht unter Fashion Fulfillment. Was eine einzelne Bestellung am Ende kostet, unter Cost per Order. Wer B- und C-Ware nicht entsorgen, sondern über eigene Kanäle verkaufen will, findet den Einstieg unter ReCommerce. Und die Kennzahlen daneben stehen unter Kennzahlen im E-Commerce.
Rechne deine Artikelquote und deine Paketquote für die letzten zwölf Monate aus, getrennt, mit demselben Schnitt. Die Antwort sagt dir, an welcher der beiden Stellschrauben du gerade stehst. Ein Nachmittag Arbeit, und danach optimierst du nicht mehr die falsche Hälfte.