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Pick und Pack im E-Commerce: Was es ist, wie es funktioniert – und warum der Pack-Schritt über Marken entscheidet

Pick und Pack Fulfillment Deutschland

Verzeichnis

Die Pick und Pack Kommissionierung. Wenn ein Kunde ein Paket öffnet, denkt er nicht an Kommissionierung. Er denkt an die Brand, die ihm das geschickt hat.

Pick und Pack beschreibt den Kernprozess jeder Fulfillment-Operation: ein Produkt aus dem Lager entnehmen (Pick) und versandfertig verpacken (Pack). In der Theorie ist es simpel. In der Praxis entscheidet genau dieser Prozess darüber, wie viele Kunden wiederkaufen – und wie viele nach einer Bestellung nichts mehr von sich hören lassen.

Dieser Guide erklärt was dahinter steckt, welche Methoden es gibt, was es kostet – und stellt eine Frage, die die meisten Logistik-Guides übersehen: Für wen ist das „Pack“ reine Logistik, und für wen ist es Marketing?

Was ist Pick und Pack?

Pick und Pack bezeichnet die Kommissionierung und versandfertige Verpackung einer Bestellung:

Pick: Ein Mitarbeiter (oder ein automatisiertes System) entnimmt die bestellten Artikel aus ihren Lagerplätzen anhand einer Kommissionierliste – digital oder analog. Jede Position einer Bestellung entspricht einem Pick.

Pack: Die gegriffenen Artikel werden in die passende Verpackung gelegt – zusammen mit Füllmaterial, eventuell Beilagen (Flyer, Dankeskarten, Proben), dem Versandlabel. Dann wird das Paket verschlossen und für den Versand übergeben.

Das Ergebnis: Ein Paket, das auf dem Weg zum Kunden ist.

Die Pick-und-Pack-Gebühr bei Fulfillment-Dienstleistern spiegelt diesen Prozess direkt wider:

BeispielbestellungPicksPacks
1 Artikel, 1 Paket11
3 Artikel, 1 Paket31
2 Artikel, 2 verschiedene Pakete22

Jeder entnommene Artikel zählt als ein Pick. Jede versandte Sendung zählt als ein Pack.

Die vier Kommissioniermethoden

Wie ein Lager den Pick-Prozess organisiert, hängt von Volumen, SKU-Anzahl und Auftragsstruktur ab. Es gibt vier etablierte Methoden – jede mit anderen Stärken.

Einzelkommissionierung (Discrete Picking) Ein Mitarbeiter bearbeitet eine Bestellung nach der anderen, vollständig, bevor er die nächste beginnt. Einfach, fehlerunanfällig, gut für kleine Volumina und Lager mit wenig SKUs. Wird ineffizient, sobald die Bestellmenge steigt, weil die Laufwege sich nicht optimieren lassen.

Batch-Kommissionierung (Sammelkommissionierung) Mehrere Bestellungen werden gleichzeitig kommissioniert – ideal wenn verschiedene Aufträge dieselben Artikel enthalten. Der Mitarbeiter sammelt auf einer Runde alle Artikel für mehrere Bestellungen und trennt sie danach. Spart Laufwege, erfordert aber gute Sortierung am Packplatz.

Zonenkommissionierung Das Lager ist in Zonen aufgeteilt, jede Zone hat eigene Mitarbeiter. Eine Bestellung mit Artikeln aus verschiedenen Zonen wird von Zone zu Zone weitergegeben, bis sie vollständig ist. Effizient bei großem Lager und vielen SKUs – setzt aber zuverlässige Übergabeprozesse voraus.

Wellenkommissionierung Bestellungen werden in definierten Zeitfenstern (Wellen) gebündelt und bearbeitet. Ermöglicht das Planen von Carrier-Abholzeiten und gleichmäßige Auslastung des Lagers. Sinnvoll bei mehreren täglichen Versandfenstern.

Für typische D2C-E-Commerce-Setups mit moderatem Volumen und überschaubarer SKU-Anzahl ist Batch-Kommissionierung die effektivste Standardmethode – sie spart Laufwege, ohne die Fehlerquote zu erhöhen.

Pick ist Logistik. Pack ist Marketing.

Hier liegt der Unterschied, über den in Logistik-Guides nicht gesprochen wird.

Beim Pick gibt es genau ein Erfolgskriterium: Der richtige Artikel in der richtigen Menge wird entnommen. Das ist Präzision. Das lässt sich messen – Fehlerquoten, Genauigkeitsrate pro 1.000 Picks – und es ist weitgehend unabhängig davon, was verkauft wird.

Beim Pack ist das Erfolgskriterium für eine Commodity-Brand und für eine Premium-Brand ein völlig anderes.

Wer USB-Sticks und Handyhüllen versendet, will ein Paket, das ankommt, nicht beschädigt ist, und möglichst wenig kostet. Das Pack ist reine Logistik.

Wer ein 75-Euro-Naturkosmetik-Set, einen handgemachten Schmuck oder ein limitiertes Supplement-Bundle versendet, öffnet mit diesem Paket eine andere Tür. Der Kunde hat etwas ausgewählt, bestellt und gewartet. Der Moment, in dem er das Paket öffnet, ist der erste physische Kontakt mit der Brand.

Ein Seidenpapier, das ordentlich liegt. Eine Karte, die nicht verrutscht ist. Ein Duft, der stimmt. Eine Box, die zur Marke passt. Das ist nicht Verpackung – das ist Markenversprechen, eingelöst oder gebrochen.

Für diese Brands ist Pack nicht der letzte Schritt in der Logistik. Es ist der erste Schritt in der Kundenbindung.

Das ist der Grund, warum die Wahl des Fulfillment-Partners für Premium-Brands keine Frage des Preises pro Pick ist. Es ist eine Frage davon, ob der Partner das versteht – und ob er die Kapazität hat, es bei jeder einzelnen Bestellung umzusetzen.

Häufige Fehler im Pick-und-Pack-Prozess

Drei Fehlerquellen, die in der Praxis regelmäßig auftreten:

Falscher Artikel oder Variante. Der häufigste Pick-Fehler. Größe S statt M, Version 1 statt Version 2, das falsche Farbvariante. Ursache: mangelhafte Etikettierung der Lagerplätze, unklare SKU-Struktur, Zeitdruck. Resultat: Retoure, Neuversand, Kundenkontakt.

Falsche oder beschädigte Verpackung. Ein Produkt, das in einen zu großen Karton gelegt wird, reist mit Bewegungsfreiheit und kommt beschädigt an. Ein zu kleines Paket, das aufgedrückt wird, ebenfalls. Die richtige Verpackungsgröße pro Produkt muss definiert und als Standard hinterlegt sein – nicht ad hoc entschieden.

Vergessene Beilagen. Dankeskarten, Proben, Flyer, Garantiedokumente. Je komplexer der Auftrag, desto wahrscheinlicher, dass etwas weggelassen wird. Systematische Checklisten oder WMS-gestützte Prüfungen sind hier keine Kür – sie sind notwendig.

Was diese Fehler gemeinsam haben: Sie sind im Lager unsichtbar und beim Kunden sichtbar. Wer sie nicht aktiv misst, weiß nicht, wie hoch seine tatsächliche Fehlerquote ist – und wahrscheinlich liegt sie höher als gedacht.

Ein Blick auf die Mathematik: Bei 99 % Genauigkeit und 2.000 Sendungen pro Monat entstehen 20 Fehler. Das sind 20 Kundenkontakte, 20 potenzielle negative Bewertungen, im schlimmsten Fall 20 verlorene Wiederkäufer.

Was Pick und Pack kostet – und was viele Angebote verschweigen

Die Preisstruktur ist bei fast allen Fulfillment-Dienstleistern gleich aufgebaut:

Eine Pick-Gebühr pro entnommenem Artikel: typisch 0,30 – 0,80 € pro Pick, bei kleineren Volumina auch darüber. Wer 200 Sendungen pro Monat macht, zahlt mehr pro Pick als wer 2.000 macht.

Eine Pack-Gebühr pro versandter Sendung: typisch 1,00 – 2,50 € pro Sendung – je nach Komplexität der Verpackung, Beilagen und Qualitätsprüfungsaufwand.

Dazu kommen Lagergebühren, Wareneingangsgebühren, Mindestmengengebühren und bei Bedarf Zusatzleistungen wie Kitting, Etikettierung, Sonderabwicklungen.

Was viele Angebote nicht transparent ausweisen: die Verpackungsmaterialien.

Karton, Füllmaterial, Klebeband, Luftpolster, Seidenpapier, Verpackungsbeutel – das sind keine Centbeträge. Ein einziger Karton kostet je nach Größe 0,30–0,80 €. Dazu Füllmaterial, Klebeband, eventuell Inlett. Pro Sendung entstehen schnell 0,80–1,50 € allein für die Verpackungsmaterialien – und die tauchen in vielen Preislisten als separater Posten auf, manchmal versteckt unter „Verbrauchsmaterial“, manchmal erst auf der ersten Rechnung sichtbar.

Das bedeutet in der Praxis: Wer ein Pick-und-Pack-Angebot mit 0,35 € pro Pick und 1,20 € pro Pack sieht, sollte sofort fragen, was Verpackungsmaterial kostet. Die Gesamtkosten pro Sendung können ohne diesen Posten um 50–100 % unterschätzt werden.

Manche Partner berechnen Verpackungsmaterialien separat. Manche haben sie inkludiert – was die Kalkulation erheblich einfacher und das Angebot direkt vergleichbar macht.

Ein wichtiger Hinweis zur Gesamtrechnung: Die Pick-und-Pack-Kosten sind oft nicht der größte Kostenblock. Der größte Kostenblock sind Fehler – Retouren, Neuversand, Kundenservice-Aufwand, und der nicht sichtbare Verlust an Kundenbindung.

Die konkreten Rahmenbedingungen für eine Partnerschaft mit Beckmann – inklusive was inkludiert ist und was nicht: Preise und Pakete.

Wann es sinnvoll ist, Pick und Pack auszulagern

Drei Signale, die zeigen, dass der Eigenversand aufgehört hat zu skalieren:

Wenn mehr als zwei bis drei Stunden täglich auf Kommissionierung und Versand entfallen, die sonst für Produktentwicklung, Marketing oder Kundenpflege zur Verfügung stehen würden.

Wenn die Fehlerquote im Eigenversand steigt, sobald das Volumen steigt – weil Prozesse noch nicht systematisiert sind.

Wenn saisonale Peaks (Weihnachten, Black Friday, Produktlaunches) zu echtem Stress führen, weil keine skalierbare Reserve vorhanden ist.

Ein spezialisierter Fulfillment-Partner löst alle drei Punkte. Der entscheidende Unterschied zwischen Dienstleistern liegt nicht im Preis pro Pick – er liegt darin, wie viele Brands ein Dienstleister gleichzeitig betreut, und ob er die Kapazität hat, jeden Pack-Standard konsequent für jede einzelne Brand einzuhalten.

Ein Boutique-Fulfillment-Partner mit bewusst begrenzter Partnerzahl kennt jede Brand tatsächlich – und setzt jeden Verpackungsstandard nicht als Sonderwunsch um, sondern als Normalzustand.

→ Weiterführend: Fulfillment Outsourcing – wann, warum, mit wem


Häufige Fragen: Pick und Pack

Was bedeutet Pick und Pack genau?

Pick und Pack beschreibt die zwei Kernschritte der Auftragsabwicklung: Kommissionierung (Pick) und versandfertiges Verpacken (Pack). Pick = richtiger Artikel aus dem Lager entnehmen. Pack = Artikel verpacken, beschriften, versandfertig machen. Der Begriff kommt aus der Logistik und ist im E-Commerce zum Standardbegriff für den Fulfillment-Kernprozess geworden.

Was kostet Pick und Pack bei einem Fulfillment-Dienstleister?

Die typische Struktur: Pick-Gebühr pro Artikel (ca. 0,30–0,80 €) plus Pack-Gebühr pro Sendung (ca. 1,00–2,50 €). Dazu kommen Lager- und Wareneingangsgebühren. Entscheidend ist dabei, ob Verpackungsmaterialien im Preis enthalten sind oder separat berechnet werden – das macht in der Praxis 0,80–1,50 € pro Sendung aus und fehlt häufig in der Erstpräsentation. Immer nach einem All-in-Preis fragen oder die Positionen einzeln aufschlüsseln lassen. Wichtig: Der Preis pro Pick ist selten der entscheidende Faktor – entscheidend ist die Fehlerquote dahinter.

Wie wird die Pick-und-Pack-Gebühr berechnet?

Pro entnommenem Artikel (SKU-Position in der Bestellung) wird ein Pick berechnet. Pro versandter Sendung wird ein Pack berechnet. Beispiel: Eine Bestellung mit 3 Artikeln in einer Sendung = 3 Picks, 1 Pack. Eine Bestellung mit 2 Artikeln in zwei verschiedenen Sendungen = 2 Picks, 2 Packs.

Was ist der Unterschied zwischen Pick und Pack und Kommissionierung?

Kommissionierung ist der deutsche Begriff für Pick. Pick und Pack umfasst beide Schritte – die Entnahme aus dem Lager und das versandfertige Verpacken. Manche Dienstleister verwenden die Begriffe synonym. In der Gebührenstruktur werden Pick (pro Artikel) und Pack (pro Sendung) jedoch oft separat ausgewiesen.

Welche Kommissioniermethode ist die beste für mein Sortiment?

Das hängt von Volumen und SKU-Struktur ab. Bei wenigen täglichen Bestellungen und überschaubarem Sortiment: Einzelkommissionierung. Bei vielen Bestellungen mit überlappenden Artikeln: Batch-Kommissionierung. Bei sehr großen Lagern mit vielen SKUs: Zonenkommissionierung. Die meisten wachsenden D2C-Brands sind mit Batch-Kommissionierung gut bedient – sie spart Laufwege ohne die Fehlerquote zu erhöhen.

Kann ein Fulfillment-Dienstleister individuelle Verpackungsstandards umsetzen?

Ja – aber nicht alle. Standardisierte 3PLs mit vielen Hundert Kunden optimieren auf Durchsatz, nicht auf individuelle Verpackungsstandards. Für Brands, bei denen das Unboxing-Erlebnis zur Markenidentität gehört – eigene Materialien, Seidenpapier, Dankeskarten, spezifische Beilagen – ist ein Dienstleister mit begrenzter Partnerzahl und echtem Markenwissen die bessere Wahl. Die entscheidenden Fragen an den Dienstleister: Wie viele Brands betreust du gleichzeitig? Gibt es einen namentlichen Ansprechpartner, der meine Produkte kennt? Wie wird mein Verpackungsstandard hinterlegt und bei jeder Bestellung geprüft?

Ab wie vielen Bestellungen lohnt sich Fulfillment-Outsourcing?

Eine grobe Orientierung: Ab 20–30 Bestellungen täglich werden die Eigenzeit und der operative Aufwand zum echten Kostenfaktor, der selten vollständig eingerechnet wird. Darunter ist Eigenversand oft effizienter. Die Frage ist aber nicht nur das Volumen – sie ist auch, ob der Prozess skalieren kann, wenn das Volumen steigt. Wer das beim ersten Peak merkt, hat zu lange gewartet. Mehr dazu: Partnerschaft anfragen.

Was ist ein Pick-und-Pack-Lager?

Ein Lager, das für die direkte Kommissionierung und Verpackung von Einzelbestellungen eingerichtet ist – im Gegensatz zu Palettenlagern für B2B-Warenlieferungen. Fachbodenregale, klare SKU-Sortierung, ausgestattete Packplätze und WMS-Integration sind die typischen Merkmale. Bei Fulfillment-Dienstleistern für E-Commerce ist das die Standardinfrastruktur.

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